News 07.02

Berufsbild Hebamme (Projekt)

Artikel aus der Zeitung Bonjour (Bonifatius Hospital Lingen), erschienen im Mai 2007

Zum internationalen Hebammentag am 05.05.2007 erarbeitete der erste Hebammenkurs der Akademie St. Franziskus im Unterrichtsfach Berufskunde eine Ausstellung, die einen übergreifenden Einblick in das Hebammenwesen ermöglichte.

Hebammen

Die Präsentation thematisierte folgende Aspekte des Hebammenberufes:

  • Geschichte des Hebammenberufs
  • Hebammenausbildung
  • Tätigkeitsfelder der Hebammen
  • Familienhebammen
  • Geburtshilfliche Instrumente und Hilfsmittel
  • Berufsverbände

Durch die vertiefte Auseinandersetzung mit den verschiedenen Themen erwarben die Lernenden erste Kenntnisse über ihre zukünftigen Aufgaben und Tätigkeiten. Ergänzend stellen die Schülerinnen ihren Kurs und die Krankenhäuser vor, in denen sie ihre praktische Ausbildung absolvieren. Durch zahlreiche Collagen und Fotos erhielt die Ausstellung einen lebendigen Charakter und lädt ein, sich mit dem Beruf der Hebamme zu beschäftigen. Im Folgenden stellen die Schülerinnen ihre Gruppenarbeiten zu den verschiedenen Themen vor.

Geschichte des Hebammenberufs

Annika Drop und Miriam Döring, die in Osnabrück eingesetzten Hebammenschülerinnen, beschäftigten sich mit der Geschichte des Hebammenwesens und stellten diese auf einem Plakat dar. Das Thema wählten sie aus, da sie sich auf eine interessante Zeitreise in die Vergangenheit der Hebammenkunde freuten. Um zeitliche Abschnitte zu verdeutlichen, verwendeten sie Bilder, die die Hebammenarbeit den Epochen entsprechend abbilden.

Die Literatur- und Internetrecherche brachte zahlreiche interessante Aspekte hervor. Das 18. Jahrhundert fand die besondere Aufmerksamkeit der Schülerinnen, da zu dieser Zeit die ersten Geburtshäuser, so genannte Accouchier-Häuser, eingerichtet wurden. Für Hebammen, die bis dahin Hausgeburtshilfe praktizierten, war es eine schwierige Zeit, da Mediziner ihnen ihre Aufgaben streitig machten und Geburtshilfe damit zu einer Domäne der Medizin wurde.

Hebammenausbildung

Die Hebammenschülerinnen Sophia Krämer und Mareike Kleinschmidt wählten das Thema Hebammenausbildung. Sie arbeiteten die Ausbildungsvoraussetzungen heraus und stellten eine Übersicht der Ausbildungsinhalte gemäß Hebammenausbildungs- und Prüfungsverordnung zusammen.

Besondere Kenntnisse sind danach in den Bereichen Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Neugeborenenpflege zu erwerben. In der praktischen Ausbildung sind die Schülerinnen auf der internen und der chirurgischen Station, im OP und auf der Neugeborenen-Intensivstation eingesetzt. Den überwiegenden Teil der praktischen Ausbildung verbringen sie aber im Kreißsaal, auf der Wochenstation und in der Neugeborenen-Abteilung. Das Ausbildungsziel, die Anwendung der umfangreichen Kenntnisse in den komplexen, individuellen Betreuungssituationen fassten die Schülerinnen mit den Worten zusammen: Hebamme werden mit Kopf, Herz und Hand.

Tätigkeitsfelder der Hebammen

Im Rahmen der Ausstellung haben sich die Hebammenschülerinnen Wiebke Buse und Anna Gravel mit dem Tätigkeitsfeld einer Hebamme beschäftigt. Die Recherche relevanter Gesetzestexte verdeutlichte, dass laut Mutterschutzgesetz jede Frau von Beginn der Planung einer Schwangerschaft bis über das Wochenbett hinaus Anspruch auf Hebammenhilfe hat. Des Weiteren ist mit der so genannten Hinzuziehungspflicht im Hebammengesetz festgelegt, dass eine Hebamme zu jeder Geburt hinzugezogen werden muss! Dies gilt auch für eine operative Entbindung (z.B. per Kaiserschnitt).

Dementsprechend vielfältig ist das Aufgabenfeld von Hebammen. Sie bieten Aufklärung und Beratung in Fragen der Familienplanung, Schwangerschaftsvorsorge, Geburtsvorbereitung, Geburtshilfe, Wochenbettbetreuung, Stillbegleitung und -beratung, Rückbildungsgymnastik, Beratung zur sachgemäßen Pflege und Ernährung des Neugeborenen und Betreuung bei Fehl- und Totgeburten an. Diese aufgeführten Tätigkeiten üben Hebammen sowohl in einer Klinik, als auch im Rahmen der Freiberuflichkeit in Hebammenpraxen, Geburtshäusern, bei den Frauen Zuhause und/oder in Kooperation mit einer Gynäkologischen Praxis aus. Die beiden Schülerinnen haben verdeutlicht, wie umfassend der Hebammenberuf ist und dass eine

Hebamme weitaus mehr als die „reine Geburtshilfe“ leistet.

Familienhebammen

Verena Görtz, Anne Leufker und Marina Wolters setzten sich mit dem Thema Familienhebammen auseinander, das aufgrund der Zunahme sozialer Probleme in unserer Gesellschaft ihr Interesse gefunden hatte. Durch Internet und zahlreiche Fachbücher erhielten sie Informationen über die aktuellen Probleme von sozial Benachteiligten, jugendlichen Schwangeren, Drogenabhängigen und Migrant/innen und über Gewalt in Familien.

In der Bundesrepublik erhält die Arbeit der Familienhebammen zurzeit positive Resonanz. Familienhebammen erhalten frühen Einblick in Familien mit besonderen Problem-Kostellationen und können daher in Kooperation mit verschiedenen Ämtern frühe Hilfen anbieten. Ihre Befähigung erhalten sie über eine Weiterbildung, die auf der dreijährigen Hebammenausbildung aufbaut.

Geburtshilfliche Instrumente und Hilfsmittel

Die Hebammenschülerinnen Christina Feldhaus, Nancy Grovemeyer und Julia Poelmann nahmen sich des Themas „geburtshilfliche Instrumente und Hilfsmittel“ an, das sie auf einem Plakat präsentierten. Sowohl Fachliteratur als auch Internetrecherche ermöglichten einen Überblick über spezielle Instrumente und Hilfsmittel, die in Geburtshilfe und Hebammenwesen zur Anwendung kommen. Die Schülerinnen entdeckten den Beckenzirkel, das Holz-Stethoskop, verschiedene geburtshilfliche Zangen, das Spekulum und das CTGGerät, welches zur Aufzeichnung der kindlichen Herztöne und der mütterlichen Wehentätigkeit benutzt wird.

Die besondere Aufmerksamkeit der Lernenden fanden jedoch die Hände der Hebamme, mit denen z.B. die Leopold-Handgriffe durchgeführt werden, um die Lage und Größe des Kindes, der Höhenstand der Gebärmutter, die Fruchtwassermenge und die Wehentätigkeit der Gebärmutter festzustellen. Die Hände sind damit das wichtigste Hilfsmittel einer Hebamme…

Berufsverbände

Mit dem Thema Berufsverbände im Hebammenwesen befassten sich Janne Annas und Christine Gorny Im Rahmen ihrer Recherche deckten sie zwei Hebammenberufsverbände auf: Der Bund Deutscher Hebammen e. V./BDH vertritt die Anliegen von ca. 15.000 freiberuflich tätigen und angestellten Hebammen, Lehrerinnen für Hebammenwesen und Hebammenschülerinnen in berufspolitischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragen. Der Verband bietet den Mitgliedsfrauen eine Berufshaftpflicht- und Rechtsschutzversicherung an und berät zu allen berufsrelevanten Aspekten. Darüber hinaus hat der BDH 1994 eine Gutachterinnenkommission eingerichtet, die bei evtl. auftretenden Schadensfällen Stellung nimmt.

Der Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V./BfHD wurde 1984 gegründet und vertritt die Anliegen von ca. 700 freiberuflichen Hebammen und Hebammenschülerinnen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene. Ein besonderes Anliegen des Verbandes ist die Förderung und Unterstützung in Fragen der freiberuflichen Tätigkeit von Hebammen. Daher sind Qualitätssicherung und Fortbildung ein Schwerpunkt der Verbandsarbeit.

Im Anschluss an die Präsentation in den Räumen der Akademie St. Franziskus wird die Ausstellung in den Kooperations-Krankenhäusern des Fachbereichs Hebammenwesen in Lingen, Meppen, Nordhorn, Georgsmarienhütte und Papenburg ausgestellt werden.


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