News 07.01

Pflegeberuf – Ja, bitte!

Artikel aus der Zeitung Bonjour (Bonifatius Hospital Lingen), erschienen im Januar 2007

-stim- Traumberuf Pflege?! Vorstellung vs. Realität des Pflegeberufes, Fort- und Weiterbildung / Studium in der Pflege; Gesundheitsförderndes Arbeiten in der Pflege, Ausbildung im Wandel der Zeit, Stellenwert des Pflegeberufes in der Gesellschaft, Arbeiten im Ausland – All das waren Themen, mit denen sich die Schüler ausgiebig auseinandergesetzt haben und nun geladenen Gästen und Interessierten präsentieren konnten.

Am Vormittag des 23.01.2007 fand in der Akademie St. Franziskus ein Projekttag zu dem Thema „Pflegeberuf, Ja bitte“! statt. Das Projekt wurde initiiert von der Schulleitung Frau Gabi Weglage sowie dem Pflegepädagogen Henning Geerdes, welcher zudem als Lernbegleiter und Ansprechpartner fungierte und die Projektbetreuung und Durchführung koordinierte.

Das Ziel des Projektes bestand in der Vermittlung einer möglichst ausgedehnten und aufschlussreichen Informationspalette bezüglich des Pflegeberufes und des beruflichen Selbstverständnisses. Die Zielgruppe dieser Veranstaltung waren 125 angekündigte Schüler aus kommunalen Haupt- und Realschulen, sowie Schüler der Berufsbildenden Schulen Lingen – Hauswirtschaftliche Fachrichtung und der Fachoberschule für Sozialwesen. Da diese Schüler eine potentielle Gruppe von Bewerbern auf einen Ausbildungsplatz darstellen, ist eine frühzeitige, praxisnahe und ausführliche Informationsveranstaltung als besonders indiziert zu betrachten.

Um diesen anspruchsvollen Beruf mit seiner komplexen Thematik den Besuchern des Projektes möglichst informativ und transparent zu veranschaulichen, wurden insgesamt 9 Themenbereiche erarbeitet und von den Schülern der Akademie ermittelt, bearbeitet und präsentiert. Das Hauptthema „Pflegeberuf, Ja bitte!“ wurde segmentiert in die folgenden Themenbereiche: Traumberuf Pflege; Vorstellung vs. Realität des Pflegeberufes; Viele Wege führen zum beruflichen Erfolg (Fort- und Weiterbildung / Studium in der Pflege); Gesundheitsförderndes Arbeiten in der Pflege (Belastungen in der Pflege und deren Bewältigung); Akademisierung der Ausbildung in der Gesundheits- und Kranken- / Kinderkrankenpflege (GKP); Ausbildung in der GKP im Wandel der Zeit; Möglicher Tagesablauf in einem pflegerischen Ausbildungsberuf; Stellenwert des Pflegeberufes in der Gesellschaft; Examen in Deutschland – Arbeiten im Ausland? An jedem Info – Stand waren ca. 5 Schüler der Akademie gegenwärtig. Die einzelnen Informationsstände konnten in Form eines Rundganges wahrgenommen werden. Somit war die Möglichkeit gegeben, zum besseren Verständnis jederzeit ausreichend und gezielt Nachfragen zum jeweiligen Thema stellen zu können.

Eingangs dieser Veranstaltung fand im ersten Präsentationsraum eine allgemeine historische Aufklärung über die Pflege eines erkrankten Menschen und den sich daraus entwickelnden verschiedenen Berufsgruppen statt. Es wurde dem Besucher eine geschichtliche Zusammenfassung vom dunklen Mittelalter bis in die moderne heutige Zeit präsentiert. Es wurde vom ersten Chirurgen, namens Ambroise Pare (1517-1590) über die neuen Erkenntnisse im 16. Jahrhundert über Anatomie, Pathologie und verschiedene Instrumente, bis hin zum Entwicklungsstand der Pflegeberufe in der heutigen Zeit informiert. Als ein sehr illustratives Beispiel wurde den Besuchern neben einigen anderen Informationen auf einem Zeitstrahl visuell die Veränderung der Berufskleidung von damals zu heute dargeboten. Man konnte eindrucksvoll feststellen, dass die Berufskleidung in der damaligen Zeit doch eher unpraktisch und unhygienisch war im Vergleich zur heutigen.

Gerade im Pflegeberuf sind viele Klischees in der Gesellschaft vorhanden, welche nicht unbedingt immer der Wahrheit entsprechen. Forciert werden diese Eindrücke unter anderem durch TV-Serien mit realitätsverzerrenden Botschaften u.ä. Eine Fraktion von Schülern setzte sich mit dem Stellenwert des Pflegeberufes in der Gesellschaft auseinander. Ziel dieses Informationsstandes war es, nicht der Realität entsprechende Ansichten und Standpunkte abzubauen bzw. zu korrigieren. Zu diesem Thema wurden auf dem Lingener Weihnachtsmarkt 100 Personen befragt.

Zusammengefasst lässt sich aus dieser Umfrage eruieren, dass der Stellenwert des Pflegeberufes hier als hoch angesehen wird. Weiterhin wurde klar herausgestellt, dass dieser Beruf aufgrund des demographischen Wandels in der deutschen Gesellschaft nachdrücklich gebraucht wird. Die Bezahlung dieser Berufsgruppe wird laut Umfrage als zu niedrig angesehen. Viele der Befragten gaben an, dass sie im Alter adäquat gepflegt werden möchten. Insgesamt gesehen lässt sich jedoch feststellen, dass der Pflegeberuf in unserer Gesellschaft noch nicht den angemessenen Stellenwert hat, den er für sich beansprucht. Hier muss den verantwortlichen Politikern und Instanzen deutlich gemacht werden, dass der Pflegeberuf eine tragende Funktion in der modernen Gesellschaft hat, dass Pflegen in der heutigen Zeit „salonfähig ist“. Daneben muss den Pflegekräften von den diversen höheren Positionen klar vermittelt werden, wie wichtig ihre aktive Beteiligung im therapeutischen Team ist und dass der Erfolg wesentlich von ihrem Einsatz abhängt.

Eine weitere Gruppe beschäftigte sich mit Vorstellungen von Jugendlichen bezüglich des Pflegeberufes und der Realität des Alltages im Pflegeberuf. Wie bereits erwähnt, weichen die Vorstellungen und die Realität von einem Berufsbild häufig ziemlich voneinander ab. So wurde den Besuchern des Projektes vorab die Möglichkeit gegeben, im Rahmen einer Befragung sich einmal konkrete Vorstellungen von einem Pflegeberuf zu machen und diese schriftlich zu fixieren. Bei diesen Ausführungen kamen mehr die praktischen pflegerischen Aspekte zum Vorschein wie z.B. die Grundpflege, das Verteilen des Frühstücks, Toilettenbegleitung, Betten machen etc., welche natürlich authentisch der Realität entsprechen. Diesbezüglich bot sich den Veranstaltern im Rahmen des Projektes die Chance, den Besuchern zu verdeutlichen, dass zu diesen vielen unterschiedlichen praktischen Tätigkeiten vor allem der zwischenmenschlichen Komponente, den empathischen Fähigkeiten und der fachgemäßen Kommunikation im Pflegeberuf eine essentielle Rolle zukommt. Zudem kommen viele organisatorische und administrative Aufgabenbereiche hinzu, wie z.B. das Erstellen einer individuellen Pflegeplanung eines Patienten, welche der Pflegekraft ein eigenverantwortliches und kompetentes Agieren und Planen abfordern.

Eine wichtige Voraussetzung für diesen Beruf sei außerdem die Teamfähigkeit und das genaue Einschätzen von bestimmten charakteristischen Situationen im komplexen Pflegeprozess eines erkrankten Menschen. Auch die Pflegeausbildung ist dem Wandel der Zeit exponiert. Wie auch in anderen Ausbildungsberufen, hat sich die Ausbildung zum Beruf des Gesundheits- und Kranken-/Kinderkrankenpflegers/in ebenso wie die der Altenpflege im Laufe der Zeit in vielen Bereichen vielgestaltig gewandelt und wurde adaptiert. Vor allem im theoretischen Bereich hat sich nach der Novellierung der Ausbildungsgesetze (Altenpflege 2002, Gesundheits- und Krankenpflege 2004) vieles verändert und nach neusten Erkenntnissen in Didaktik und Methodik weiterentwickelt. Wenn bis zu diesem Zeitpunkt die Ausbildung noch sehr verschult und die Wissensvermittlung sehr vereinheitlicht vorgegeben und umgesetzt wurde, so nimmt sie aktuell zunehmend den Charakter eines fächerübergreifenden und integrativen Studiums an. Es wird immer mehr das selbstorganisierte Lernen und das Lernen in Gruppenarbeit und Eigenrecherche mit anschließender Präsentation des erarbeitenden Lernstoffes, die Aushändigung eines Handouts und Darstellung der erworbenen Kompetenzen favorisiert. Die Dozenten der Akademie fungieren als Lernbegleiter, welche die zu bearbeitenden Situationen vorstellen und die anschließende Bearbeitung als Fallbeispiel (in Gruppenarbeit oder Einzelarbeit der Schüler) unterstützen.

Einige der Schüler haben sich schwerpunktmäßig mit der Thematik der Weiterbildung im Pflegeberuf befasst. Um die einzelnen Bereiche zu benennen, bedarf es vorab einer kurzen Begriffsdefinition: Mit einer Fortbildung sind Bildungsmaßnahmen gemeint, die der berufsbezogenen Weiterbildung von einem Berufstätigen dienen. Mit einer Weiterbildung sind sämtliche Maßnahmen gemeint, die eine allgemeine oder berufliche Höherbildung anvisieren. Ein Studium beschreibt ein wissenschaftliches lernen und forschen, insbesondere an Fachhochschulen und an Hochschulen (Universitäten). Nachdem also die Ausbildung zum GKP mit dem Examen erfolgreich absolviert wurde und (individuell) ein gewisses Kontingent an Berufserfahrung gesammelt wurde, bieten sich u.a. folgende Möglichkeiten einer Fortbildung an: Kinästhetik/Bobath-Konzept; Praxisanleitung; Palliative Trauerbegleitung; Diabetes- und Asthma-Schulungen; Wundmanagement; Schmerz- und Notfallmanagement, Entlassungsmanagement. Die verschiedenen Möglichkeiten einer Weiterbildung sind zum Beispiel: Intensiv- und Anästhesiepflege; Nephrologie und Dialyse; Onkologie; Psychiatrie; Rehabilitation; Endoskopie; Palliativ Care.

Die Möglichkeiten der Studiengänge an Universitäten sind z.B.: Pflege- und Gesundheitsmanagement; Pflege- und Gesundheitspädagogik, Pflegewissenschaft. Zur Veranschaulichung wurde als ein spezielles Beispiel die Weiterbildung zum Intensiv und Anästhesiepfleger/-in von den Schülern erläutert. Dies ist eine Zweijährige, berufsbegleitende Weiterbildung. Zudem wurden verschiedene pflegerische Tätigkeiten eines OP-Pflegers und Anästhesie-Pflegers anhand von nachgestellten Pflegesituationen aus der alltäglichen Praxis dieses Arbeitsgebietes sehr anschaulich und explizit dargestellt. Es wurden diverse Arbeitsabläufe, technische Geräte und Instrumente dieses Arbeitsbereiches (Infusomat, Perfusor, korrekte Wunddesinfektion, Anreichen von verschiedenen OP-Instrumenten, das „Zusammentackern“ einer OP – Wunde oder das Monitoring zur Überwachung) vorgestellt. Auf einem TV-Bildschirm lief über DVD kontinuierlich ein Interview mit einem Fachpfleger aus der Anästhesie. Auf einem Laptop wurde eine Hüft-Operation visuell dargestellt. Ferner wurde den Besuchern anhand von praktischen Beispielen ein EKG und die manuelle Blutdruck-Messung näher erläutert. Als ein elementares Kriterium in der Arbeit der Gesundheits- und Krankenpfleger ist das sterile und hygienisch genaue Arbeiten sowie die notwendige, korrekte Desinfektion von Händen, Wunden, Arbeitsflächen – und sonstigen, notwendigen Instrumenten. Die Besucher der Ausstellung wurden genau darüber informiert, wie eine korrekte, hygienische Händedesinfektion durchzuführen ist. Aufgrund der vielen praktischen Beispiele konnten die Informationen sehr instruktiv vermittelt werden. Besuchern wurden interessante Internet – Adressen empfohlen, bei denen sie sich weitergehend informieren können.

Von diesen Informationen und Impressionen geprägt führte der Rundgang weiter in den Hörsaal der Akademie, in der den Besuchern eine in Eigenregie produzierte Filmpräsentation dargeboten wurde. In diesem Film wurden eindrucksvoll die verschiedenen Tätigkeiten im Stationsalltag dargeboten, die einem als Gesundheits- und Kranken bzw. Kinderkrankenpfleger/in und Altenpfleger/in begegnen. Dem Zuschauer wurde ein sozusagen ein Live-Bericht vom Arbeiten auf den Stationen im Lingener und im Thuiner Krankenhaus präsentiert. Ferner wurde eine Sequenz vom theoretischen Unterricht im Hörsaal mitgeschnitten, damit sich der Zuschauer auch davon einen bildlichen Eindruck verschaffen konnte. Der Film dauerte ca. 20 Minuten und wurde mit aktueller Musik unterlegt.

Examen in Deutschland – arbeiten im Ausland? Auch dieser Thematik wurde sich von den Veranstaltern des Projektes zugewandt. In einem Informationsraum wurde ein Ländervergleich einiger EU – Ländern und Japan bezüglich des GKP – Berufes dargestellt. Die Schüler betrieben Recherche im Internet und kontaktierten diverse Krankenhäuser im Ausland telefonisch, um an die wesentlichen Informationen zu gelangen. Ferner wurden Mitarbeiter im St. Bonifatius Hospital kontaktiert, die bereits Auslandserfahrung im Pflegeberuf haben. Es wurde u.a. eruiert, dass Deutschland im direkten Ländervergleich die kürzeste Ausbildungszeit aufweist. Das staatliche Gesundheits- und Krankenpflege-Examen gilt in allen EU-Ländern. Der Personalschlüssel auf den Stationen ist z.B. in Schweden, Japan und in der Schweiz mit maximal fünf bis sieben Patienten pro Arbeitskraft sehr großzügig bemessen. Während man z.B. in der Schweiz, Österreich und den Niederlanden bis zu 40 Stunden pro Woche arbeitet, ist die Wochenarbeitszeit einer Vollzeitarbeitsstelle in Deutschland auf 38,5 Stunden pro Woche festgelegt. Den Besuchern wurde diese Themenstellung auf jeweils verschiedenen Flip-Charts eindrucksvoll und bildhaft im farblichen Kontrast präsentiert.

Im ersten Stockwerk des Wohnheims, welches sich im gleichen Gebäude der Akademie befindet, wurde ein so genannter Snoozle-Raum eingerichtet. Die Besucher der Veranstaltung hatten hier die Möglichkeit, sich bei meditativer Musik, beruhigenden Lichtverhältnissen und angenehmen Düften in gelockerter Position zu entspannen und zu pausieren. Man hatte hier die Möglichkeit, sich nach der umfangreichen Informationsvermittlung auszuruhen und sich neu zu konzentrieren. Hintergrund dieser Einrichtung war u.a. die Thematik der Stressbewältigung. Stress ist leider ein häufiges Phänomen im Arbeitsleben besonders im Pflegeberuf. Bei der Bewältigung ist daher besonders wichtig, Grenzen zu ziehen zwischen Berufsleben und Privatleben.

Die Schüler hatten sich rund vier Wochen intensiv mit der Vorbereitung dieses Projektes befasst. Neben der facettenreichen Informationsvermittlung wurde auch ein Angebot von Kaffee und Kuchen den Besuchern gemacht. Mit dieser Veranstaltung sollte Ausbildungsanwärtern und Berufsanfängern ein berufliches Selbstverständnis des Pflegeberufes vermittelt werden. Durch Information und Wissensvermittlung wurde vielen Neulingen in dieser Branche die Angst und Ungewissheit vor diesem schönen Beruf reduziert oder sogar komplett genommen. Ebenfalls wurden durch Information falsche Klischees abgebaut.

Im Ganzen wurde diese Veranstaltung von 125 interessierten Besuchern besucht. Das Feedback von den Besuchern, sowie von den Organisatoren war allgemein positiv, so dass dieses Projekt als ein lehrreicher Erfolg gewertet werden kann. Das Ziel einer umfassenden und breiten Informationsvermittlung ist erreicht worden.


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